Aber wenn du mal groß bist, da wirst du wissen, daß es eine andere Freiheit noch gibt, das ist eine ganz große Freiheit, die kennt nicht deutsch oder französisch, die kennt nur den Menschen.              
aus: Der Entgleiste, 1906

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Zum Licht!

 

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Zum Licht!
Gedichte.
Schuster & Loeffler, Berlin 1897 

 

Gustav Falke zu eigen

Fackelglanz und Sternenleuchten.
Und auf Dornen festen Tritt,
Blumen, die mir lieblich deuschten,
Schmerzen, die ich einsam litt,
Lichten Traum von Ruhmeskränzen,
Für die Zukunft Ruf und Streit, 
Eine Sehnsucht ohne Grenzen,
Lauten Hall der neuen Zeit,
Einer Jugend keckes Ringen,
Hörst du's aus dern Liedern klingen?
 
Also sprach ich .....

Ihr Hundsfottmenschen ihr!
Wie ich euch hasse,
Euch, mit den blöden Sinnen,
Den abgerichteten, dressierten Kretinsinnen
Und den Nachplappermäulern!
Ihr richtet über Kunstwerk und Künstler
Ihr! - und auch mich habt ihr verspottet.
Nicht frei und ehrlich ins Gesicht,
Nicht laut und grob:
Hinter mir, leise, kichernd,
Mit Blicken und Mienen.
O, wie ich´s fühlte,
Wie das brannte, brannte!
Ich hasse euch!
Dich, den immer lächelnden Pastor,
Der in süßen, schönen Worten lügt,
Und die Bibel citiert, von Liebe faselt,
Und im Herzen, im heuchlerischen Herzen
Weihrauch streut der Gottheit des Geldes -
Dich, den krummen Juristen,
der aus Pandekten und Akten
Verständnis für alles gebüffelt,
Der Buchstaben abwägt, Begriffe verkuppelt,
Und so stolz ist, so stolz vor Königsthronen,
Daß er patriotisch
Stets auf dem Bauch kriecht -
Ich hasse dich,
Dich mit dem blasierten Nervenzucken,
Dich wandelndes Fragezeichen,
Und euch alle, ihr Schacherer und Schufte,
Ihr Protzen und Ducker und Heuchler,
Und euch mit den frommgefalteten Händen
Und den Madonnablicken,
die ihr in die Kirche lauft,
Wenn der Pfaff den Glockenstrang läßt ziehen,
Und kniet - - kniet,
Um nachher um so hoffärtiger
Hochnäsig über Menschen zu richten!
Ich hasse euch! - Nein, nein,
Dreimal nein! - Ihr seid
Meines Hasses und Zornes nicht wert!
Aber - ich danke euch,
Daß ihr mich angeekelt,
Daß ich mich erheben konnte,
Daß meine Seele in Qualen krampfte,
Und daß ich mich sehnte
Nach freien, großen, höheren Menschen,
Nach Christusjüngern und Erdeverleugnern,
Und daß ich auf meinem Golgathawege
Euch unter mir ließ, tief, tief,
Und frei ward, - stolz und frei,
Und ein Dichter - -! 

Beitrag von Dr. Katharina Weisrock

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