Die Dinge im Leben haben alle den Sinn, sich in ihrer eigenen Weise zu erfüllen. Den Menschen zu Liebe oder zu Leide. Es ist eine falsche Einbildung, zu meinen, alles sei für uns da. Es ist alles für sich selbst da.             aus: Der Entgleiste, 1906 



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Breslauer Tagungsbeitrag über Wilhelm Holzamer erschienen

Überblendungen. Impressionistische Ansichten regionaler Räume in Wilhelm Holzamers rheinhessischen Romanen

Abstract

Der in Nieder-Olm bei Mainz geborene Schriftsteller Wilhelm Holzamer (1870 -1907) gehört um 1900 zu jenen Kulturschaffenden, die im Vorfeld der Moderne nach einem zeitgemäßen Kunststil suchen. Sein unerwartet früher Tod hindert ihn, diesen Weg zu Ende zu gehen. Zwei Aspekte seiner Biographie sind wesentlich für die Raumgestaltung in Holzamers Erzähltexten: seine Landschaftserlebnisse in seiner Kindheit und seine Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Literatur und Kunst an seinen Wirkungsorten Darmstadt, Paris und Berlin. Zunehmend wird der Einfluss der impressionistischen Sehweise auf die Raumdarstellung in seinen literarischen Landschafts- und Technikbildern evident.

Seine Dorfromane, die in seiner Heimatregion Rheinhessen angesiedelt sind, schildern das dörfliche Leben zwischen 1860 und der Jahrhundertwende. Die örtlichen und landschaftlichen Gegebenheiten zeichnet Holzamer präzise nach der Natur und schildert ihre Erscheinung im subjektiven Blick seiner Protagonisten. In ihrer Wahrnehmung werden Landschaften zu Resonanzräumen von Erinnerungen, Stimmungen, Emotionen und Tagträumen. Fokussierte Details eines atmosphärischen Landschaftsbildes erscheinen darin plötzlich als Indiz eines individuellen, gesellschaftlichen oder technologischen Veränderungsprozesses, etwa der Umgestaltung der Landschaft durch den Eisenbahnbau.

 

Der Aufsatz von Katharina Weisrock ist erschienen als Beitrag einer Internationalen Germanistischen Tagung, die im Oktober 2014 an der Universität Breslau stattgefunden hat (S. 261-283, 6 Abb.):

Gajdis, Anna / Mańczyk-Krygiel, Monika (Hrsg.)
Der imaginierte Ort, der (un)bekannte Ort.
Zur Darstellung des Raumes in der Literatur
Peter Lang Verlag, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Oxford, Wien, 2016. 270 S. Jahrbuch für Internationale Germanistik. Reihe A: Kongressberichte. Bd. 124. Hrsg. v. Hans-Gert Roloff
ISBN 978-3-0343-1664-4 br. (Softcover), €* 72.20 

Weitere Informationen: weisrock@wilhelm-holzamer.de


Beitrag von Dr. Katharina Weisrock