... wie man sich selbst erkannt hat.
Dahinter aber steht ein hämisch Gesicht.
Man könnte anders sein - wenn man anders sein könnte.
aus: Vor Jahr und Tag, 1907 


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Presseecho Holzamer-Ausstellung

Literarische Spuren, vom Lebenswerk zum Literaturweg 

02. bis 18. September 2016, Altes Rathaus, Nieder-Olm

kuratiert von Thomas G. Tempel und Katharina Weisrock, in Kooperation mit der IG Nieder-Olmer Geschichte und freundlicher Unterstützung der Stadt Nieder-Olm

Was wissen wir über Wilhelm Holzamer? Quellen dafür liefern seine Briefe, Manuskripte und Publikationen. Ein Teil seines Nachlasses ist im Nieder-Olmer Holzamer-Archiv zu finden. Seit 1996 wird es von K. Weisrock zusammengetragen und wissenschaftlich aufgearbeitet. Thomas G. Tempel dokumentiert die Archivalien seit 2006 photographisch. Die Ausstellung zeigte ausgewählte Handschriften und Erstausgaben. Der Nieder-Olmer Dichter schildert seine Heimatregion in naturalistischen und impressionistischen Bildern. T.G.Tempel gestaltete die regionalen Schauplätze seiner Erzählungen entlang des Wilhelm Holzamer-Literaturwegs in großformatigen Photographien und setzte so seine Landschaftsbilder mit Holzamers Texten in Beziehung.

 

Lämmerwolken auf Himmelsweide  - Texte Wilhelm Holzamers werden korrespondierenden Fotos gegenübergestellt

Von Margit Dörr, Allgemeine Zeitung Mainz, 7.9.2016

 

Viele Besucher drängten sich in den Räumen des Alten Rathauses bei der Eröffnung der Ausstellung „Wilhelm Holzamer – Literarische Spuren, vom Lebenswerk zum Literaturweg“. In Kooperation mit der Interessensgemeinschaft Geschichte und mit Unterstützung der Stadt Nieder-Olm haben die Literaturwissenschaftlerin Dr. Katharina Weisrock und der Fotograf Thomas G. Tempel diese außergewöhnliche Ausstellung über den 1870 in Nieder-Olm geborenen und aufgewachsenen Schriftsteller konzipiert und organisiert. Stadtbürgermeister Dieter Kuhl betonte in seiner Begrüßungsrede, dass Wilhelm Holzamer durch die Verbindung seines literarischen Werkes mit der Landschaft ein Denkmal wurde.

            Neben Briefen, handgeschriebenen Manuskripten und Erstausgaben, die in Tischvitrinen angeordnet sind, finden sich auch Ansichten von Nieder-Olm und Umgebung, aufgenommen von Thomas G. Tempel, der seit 2006 die Archivierungsarbeiten Katharina Weisrocks fotografisch begleitet. Holzamer habe die rheinhessische Landschaft in seinen Werken in naturalistischen und impressionistischen Bildern beschrieben, erklärte Weisrock. Der Fotograf Tempel hat diese Arbeitsweise in seinen Fotografien auf beeindruckende Weise festgehalten. Das Gefühl für Licht, Raum und Weite zeichnet die Bilder aus. Es sei nicht schwer gewesen, die Plätze zu finden, die Holzamer in seinen Werken beschrieben hat, meinte Tempel.

            Allen zehn großformatigen Fotoaufnahmen sowie einem Gemälde des Nieder-Olmer Malers Jean Metten haben Katharina Weisrock und Thomas G. Tempel Texte – Auszüge aus Romanen oder Gedichte – Holzamers zugeordnet. Auch Einheimische oder Kenner der rheinhessischen Region können dank der gelungenen Verknüpfung der bildreichen und so treffsicheren Sprache Holzamers mit den aussagekräftigen Fotos eine zusätzliche Facette der Landschaft erspüren. „Über die blaue Himmelsweide schäferten schon die weißen Lämmerwolken“, heißt es in Holzamers Roman „Der Entgleiste“. Dieses Zitat findet sich unter dem mit „Himmelsweide“ betitelten Wolkenbild, das Tempel am Ober-Olmer Mühlweg aufgenommen hat. Schöner und lebendiger könnte die Beschreibung des Bildes nicht sein! Das Gedicht „Herbststimmung“ fasst sozusagen die Fotografie von einem Wegekreuz neben einem herbstlichen Baum, der vom Licht durchdrungen ist und dessen Blätter schon teilweise auf dem Boden gefallen sind, in Worte. 

            In den Worten von Dr. Katharina Weisrock, die sich seit 1996 intensiv mit den Werken Wilhelm Holzamers beschäftigt, sie zusammenträgt und archiviert, wurde deutlich, wie viel Arbeit und Herzblut sie investiert, um den literarischen Nachlass des Schriftstellers, der 1907 mit nur 37 Jahren in Berlin verstorben ist, für die Nachwelt zu erhalten. Quellen, wie Holzamers Briefwechsel mit verschiedenen Personen, oder auch Briefe, in denen er erwähnt wird, Manuskripte und Publikationen trug sie zusammen und versucht dem Denken, Handeln und Schaffen des Schriftstellers immer näherzukommen.

            Auf dem insgesamt 18 Kilometer langen Literaturweg rund um Nieder-Olm, der an Holzamerstele auf dem Rathausplatz beginnt und der sich in vier Rundwege gliedert, erlebt man noch einige Schauplätze, die Holzamer beschrieben hat. Der Weg und die von Dr. Weisrock verfasste Broschüre sowie das Lesebuch zum Literaturweg tragen dazu bei, dem Dichter und seiner Heimat zu begegnen und seine Bedeutung als Autor nicht in die Vergessenheit geraten zu lassen.

 


Beitrag von Dr. Katharina Weisrock