Aber wenn du mal groß bist, da wirst du wissen, daß es eine andere Freiheit noch gibt, das ist eine ganz große Freiheit, die kennt nicht deutsch oder französisch, die kennt nur den Menschen.              
aus: Der Entgleiste, 1906


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Georg Metzendorf, Architekt und Stadtplaner

GEORG METZENDORF ZUM 75. TODESTAG

von Dr.-Ing. Rainer Metzendorf, Mainz

Am 3. August jährt sich der Todestag von Prof. Dr. Georg Metzendorf (*Heppenheim, 25. September 1874, + Essen, 03. August 1934) zum 75. Mal. Als Architekt und Stadtplaner hat er im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts die künftige Kulturhauptstadt Essen entscheidend mitgeprägt und zählt zu den tragenden Kräften, die seiner Zeit im Ruhrgebiet eine eigenständige Baukultur entwickelt haben, die später als Westdeutscher Impuls in die Geschichte eingegangen ist.

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Georg Metzendorf gehört zu der Generation junger Reformarchitekten, die um 1900 von Darmstadt aus eine neue Baugesinnung schufen, die sich u. a. in der Gartenstadtbewegung und im Deutschen Werkbund manifestierte. In einem reichsweiten Ausleseverfahren wurde er als 33-jähriger nach Essen berufen, um mit der Margarethenhöhe ein Pilotprojekt im Sinne der Gartenstadtbewegung zu realisieren, das heute, auch mit internationalem Maßstab  gemessen, als ein Leitbild für Sozialhumanen Städtebau gilt.

LB_Margarethenhoehe1931_600.jpgParallel zur Margarethenhöhe entwarf Metzendorf die Gartenstadt Hüttenau bei Hattingen und war an der Planung für die Gartenstadt Hellerau bei Dresden beteiligt. Im Auftrage der Deutschen Reichsregierung konzipierte er für die Weltausstellung 1910 in Brüssel zwei Industriearbeiterhäuser, die in einem patentierten Fertigbausystem innerhalb von vier(!) Tagen bezugsfertig aufgestellt wurden. Eine Ingenieurleistung, für die er von Ernst-Ludwig, Großherzog von Hessen-Darmstadt und bei Rhein, mit dem Professorentitel ausgezeichnet wurde. Von Berlin bis Berchtesgaden plante G. Metzendorf  anspruchsvolle Einfamilienhäuser, Siedlungen, Verwaltungsbauten, Kultureinrichtungen, Kirchen, Krankenhäuser, Brücken und Industrieanlagen, die, soweit noch erhalten, heute alle unter Denkmalschutz stehen.

Herausragende Beispiele in Essen sind das Kaufhaus A. Eick & Söhne am Eingang zur Kettwiger Straße (1912), das Verwaltungsgebäude Ruhrhaus an der Kronprinzenstraße (1922), die frühere Stadtsparkasse mit Haus der Technik und Kabarett Casanova (1927-1929), heute Theater-Passage, sowie das im letzten Krieg zerstörte Schauspielhaus mit anschließender Stadtbücherei in der Hindenburgstraße (1926-1930). 1925 gewann Metzendorf den Architektenwettbewerb für das Museum Folkwang in der Goethestraße, das dann nach politischen Querelen von Prof. E. Körner realisiert wurde.

Seine fortgeschrittene Architekturauffassung in den 20er Jahren und die Unterstützung entarteter Künstler führten dazu, dass 1934 von den Nationalsozialisten gegen Metzendorf ein Verfahren wegen Kulturbolschewismus eingeleitet wurde. Das Ergebnis hat er nicht mehr erlebt. Er starb mit 59 Jahren am 3. August 1934. Auf eigenen Wunsch wurde er auf dem Essener Südwestfriedhof mit Blick auf  die Margarethenhöhe beigesetzt. Sein Freund, der Bildhauer Prof. Josef Enseling, entwarf die Gestaltung des Grabes, das vor drei Jahren unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 

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Holzamerhaus in Heppenheim, entworfen von Georg Metzendorf

Georg Metzendorf hat das Heppenheimer Wohnhaus von Wilhelm Holzamer entworfen. Zu der Verbindung von Wilhelm Holzamer und den Brüdern Heinrich und Georg Metzendorf geben die Artikel 'Holzamamerhaus, Heppenheim' und 'Kulturkreis in Heppenheim um 1900' weitere Auskunft.

Beitrag von Dr. Katharina Weisrock

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